Kunstwerke des Monats 2026
Die Grabstätte des Philologen Professor Eugen Mogk (1854 – 1939)
Der im Jahre 1854 in Döbeln geborene Eugen Mogk widmete sein ganzes Leben als Wissenschaftler der altnordischen Mythologie und schuf letztlich das bis heute anerkannte Grundlagenwerk auf diesem hochinteressanten kultur- und geistesgeschichtlichen Feld. Seine in der Sammlung Göschen erschienene „Germanische Mythologie“ oder sein Werk „Die Entdeckung Amerikas durch die Nordgermanen“ hat viele Generationen besonders junger Menschen immer wieder fasziniert.
Nach dem Studium der Philologie und Geschichte in Leipzig wurde der erst 29-jährige Eugen Mogk promoviert, hatte sich bereits im Alter von 35 Jahren habilitiert und wurde bald schon Professor für Nordische Philologie an der Leipziger Universität.
In der glücklichen Ehe mit Margarethe Scheer wurden drei Söhne geboren – der älteste Sohn Walther fiel schon im August 1914 in Frankreich im gerade begonnenen unseligen Ersten Weltkrieg, der Sohn Werner wurde Arzt und der jüngste Sohn Helmut übernahm in den politisch so außerordentlich schwierigen 50iger Jahren das Amt des Direktors der Leipziger Universitätsbibliothek.
Nach dem Tode von Eugen Mogks Ehefrau Marie Margarethe wurden in der II. Abt. des Südfriedhofes die Universitätsrabattengräber No.27 / 28 erworben – am 22. Oktober 1934 wurde Margarethe Mogk hier beerdigt.
Das imposante Grabmal aus feinkörnigem Muschelkalkstein schuf der renommierte Leipziger akademische Bildhauer Max Alf Brumme vermutlich bereits im Winter 1934/35 – ein Dokument deutet auf die Errichtung des gefertigten Grabmales auf dem Tag genau am 12. März 1935 hin. Die über einem vorgelagerten Sockel aufgesetzte Figur eines Jünglings erhebt die Linke und deutet auf den Himmel während das ihn umhüllende Grabtuch von ihm abfällt – der Autor deutet dies ikonografisch als eine Auferstehungsszene und damit als ein klares christliches Bekenntnis zur neutestamentlichen Heilslehre. Der Auftraggeber Eugen Mogk als auch der Bildhauer Max Alf Brumme waren tief verbunden durch den christlichen Glauben, dem letztlich dieses Bildwerk dann entsprungen ist. Es ist ein seltenes Unikat, eine einmalige Darstellung und findet sich nirgends noch einmal.
Die Frontseite des Sockels ist beschriftet mit den Namen und Lebensdaten der Eheleute Mogk * - typografisch hat Brumme hier eine ganz eigene Schrift geschaffen, die wir z. B. auch am Grabmal des Konditors Gnant auf dem Südfriedhof und anderswo finden.
Viereinhalb Jahre nach seiner Frau starb der Universitätsprofessor i.R. Eugen Mogk und wurde am 8. Mai 1939 an der Seite seiner Frau beerdigt.
Später, 1973, wurde auch der jüngste Sohn Dr. phil. Helmut Mogk und 1976 dessen Ehefrau Gertrud hier beerdigt – ebenso wurde deren Tochter Karin geb. Mogk und ihr Ehemann, der verdienstvolle Pastor Walter Johne, hier zur letzten Ruhe gebettet.
Alfred E. Otto Paul
* Name und Lebensdaten des Professors Eugen Mogk wurden erst nach dessen Tod von Brumme in den Sockel eingearbeitet – ebenso die beiden Ringe als Zeichen ehelicher Verbundenheit
Die Grabskulptur des Buchdruckers Otto Göttel (1854 – 1925)
Vermutlich kam Franz Albert Otto Göttel nach solider kaufmännischer Ausbildung von außerhalb nach Leipzig und eröffnete im Jahre 1884 eine Anilin-Farbenhandlung. Allerdings wechselte er dann schon nach einem Jahr seine geschäftliche Unternehmung und beteiligte sich als Inhaber an der Leipziger Buchdruckerei „Joachim & Jüstel“, die aber sehr bald gemeinschaftlich mit dem Buchhändler Franz Jüstel als Firma „Jüstel & Göttel“ agierte und sich als Verlag, Buchdruckerei und Buchhandlung über Jahrzehnte in der Buchstadt Leipzig erfolgreich behauptete. Vielgelesene Zeitschriften erschienen bei „Jüstel & Göttel“ wie beispielsweise die „Kolonialwaren-Zeitung“, die „Europäische Herrenmode“, die „Malerzeitung“, die „Internationale Fleischerzeitung“ oder die Annalen des gesamten Versicherungswesens.
Nachdem am 30. Juni 1914 Auguste Julia Louise Göttel, die Ehefrau des Buchdruckereibesitzers, im Alter von 62 Jahren gestorben war, erwarb er am 3. Juli 1914, dem Tage des Begräbnisses auf dem Südfriedhof für 1.300 Goldmark in der I. Abteilung das hundertjährige Erbbegräbnis No.6. Louise Göttel wurde in einem prächtigen eichenen Sarg in der Mitte der Grabstätte in doppelter Grabestiefe beerdigt.
Knapp zwei Jahre später beantragte der akademische Bildhauer Paul Stuckenbruck die Genehmigung eines Grabmalentwurfs und erklärt gleichzeitig, dass die beigefügten Zeichnungen von eigener Hand seien. Die schöne Entwurfszeichnung der zu schaffenden Skulptur zeigte eine selbstbewusste Frau, die in eigenartiger Pose vor der Grabplatte kniete. Das Bildnis strahlt eine ungemein deutliche Erotik aus und zeigt ein fülliges Weib voller Lebenskraft. Das Haar macht einen zerzausten Eindruck und unterstützt ein emotionales Gefühl schamhafter Begierde. *
Der Bildhauer Paul Stuckenbruck benannte Kircheimer Kalkstein als zu verwendendes Material und gab das Gewicht der zu schaffenden Skulptur mit 20 Zentner an. Wenngleich der Leipziger Stadtbaurat Carl James Bühring schon wenige Tage später den Antrag bedingungslos genehmigte, erfolgte die Ausführung der Skulptur aber in deutlich geänderter Version. In demütiger Trauerpose kniet nun mit gesenktem Haupt betend die weibliche Skulptur, die zweifellos die verstorbene Frau des Buchdruckereibesitzers Otto Göttel darstellen soll und folgt damit wohl einem Sinneswandel des verwitweten Auftraggebers oder naher Verwandter.
Ende September 1923 war das Werk vollendet und bereits vor dem Grabe der Gattin über einem zwei Meter tiefen Ziegelfundament errichtet worden.
Franz Albert Otto Göttel starb am 10. Dezember 1925 im Alter von 71 Jahren – er wurde nicht, wie offensichtlich ursprünglich geplant, im Grabe seiner Frau beerdigt, sondern sein Leichnam wurde fünf Tage nach dem Tode eingeäschert und die Urne mit seiner Asche am 05. Januar 1926 im Grabe der Frau beigesetzt.
Seit Generationen fanden bis heute zahlreiche Verstorbene, die ausnahmslos feuerbestattet wurden, hier ihre letzte Ruhestätte.
* Man kann wohl davon ausgehen, dass der etwas frivole Entwurf dem tatsächlichen Naturell der Ehefrau zu ihren Lebzeiten entsprach.
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