26.06.2017
Grabmal Schaub

Die Wandstelle No.105 auf dem Leipziger Südfriedhof erwirbt im Januar 1909 der Leipziger Kaufmann Heinrich Schaub.

Schaub beauftragt den bedeutenden Leipziger Architekten Emil Franz Hänsel mit dem Entwurf eines Grabmales und dieser schafft nun diese monumentale Anlage im strengen Stil des Klassizismus aus poliertem Granit. Die mächtigen kannelierten Säulen tragen den schweren Architrav mit dem mäanderbandgeschmückten Abschluß und gestalten portikusartig die Front mit der zahnfriesumsäumten bronzenen Tür.

Eine mächtige mauerartige Einfriedung aus gleichem poliertem Granit umschließt die eigentliche Begräbnisstätte.

Die Ausführung dieser anspruchsvollen Grabmalschöpfung lag in den Händen des hochangesehenen Leipziger Bildhauers Otto Wutzler.   

Emil Franz Hänsel ( 1870 – 1943 ) gehörte zu den originellsten und vielbeschäftigsten Architekten der Zeit nach 1900 und seine Werke künden noch heute von diesem Pionier eines neuen Architekturzeitalters, einem Überwinder des Historismus – Specks Hof, Zentralmessepalast, Kaufhaus am Brühl, König –Albert- Haus am Markt, Hotel Continental oder das riesige Gebäude der Piano – Union in Leutzsch sind nur einige Beispiele neben zahllosen Wohnhäusern.

Der künstlerische Höhepunkt der Gesamtanlage ist die bronzene Plastik eines knieenden Jünglings vor einer Scheintür, die auf das ewige Reich der Toten hinweist. Dieses Werk des Grazer Bildhauers August Rantz erhielt einst auf der Weltausstellung in St.Louis eine Goldmedaille.

Das Nutzungsrecht der Wandstelle No. 105 ist vor wenigen Wochen erloschen und kann neu erworben werden – dieses eindrucksvolle Grabmal , das zu den schönsten Werken auf dem Südfriedhof gehört, kann ein künftiger Erwerber der Grabstätte im Rahmen einer Patenschaft für sich nutzen.      

Alfred E.Otto Paul

www.paul-benndorf-gesellschaft.de

Grabmal Hermann Leistner – Südfriedhof  I.Abteilung

Es war kein Geringerer als der Leipziger Bildhauer Albrecht Leistner, der nach dem Tode Max Klingers nach Großjena gerufen wurde – er durfte dem toten Klinger das Antlitz und die Hände abformen.

Dies war nicht nur die Honneur an den bedeutenden Leipziger Bildhauer Leistner, sondern auch eine Würdigung der Freundschaft, die Klinger und Leistner über viele Jahre verband.

Die Arbeit an diesem Grabmal für die Familie seines Onkels Hermann Leistner begann Leistner mitten im ersten Weltkrieg – im März 1916 ersucht er um die Genehmigung zur Errichtung eines Denkmals . Das Modell zeigte aber nur zwei Figuren – eine aufrecht stehende Frau und einen knieenden Jüngling. Die Sockelinschrift „Wir sterben um verjüngt zu erwachen“ bezeichnete das Thema der Auferstehung, wie es Leistner auch beim Grabmal für des Generaldirektors Albert Böhme dann im Jahre 1932 einsetzte.

Durch seinen Einsatz an der Westfront ab Mai 1916 gelangte das modellierte und von Stadtbaurat Bühring  genehmigte Grabmal nicht zur Ausführung.
Erst im Juli 1920 reicht Albrecht Leistner eine neue Zeichnung zum Grabmal ein und bittet nun um die Genehmigung des „in veränderter Weise geplanten Denkmals “ und begründet die Änderung aus „künstlerischen und praktischen Gründen“. 1922 ist die Arbeit an dem Werk vollendet und es wird an seinem heutigen Standort in der I. Abteilung des Südfriedhofes errichtet.

Die Arbeit aus Laaser Marmor ist aus einem Block gehauen und dürfte zu den bedeutungsvollsten Werken Albrecht Leistners zählen .  Heute ist es nur durch Kenner des Südfriedhofes zu entdecken, weil es völlig von Gehölzen verdeckt ist -  ursprünglich aber  stand es völlig frei und vermittelte dem Betrachter neben dem Kunstgenuß auch die geistige Auseinandersetzung des großen Themas Tod und Auferstehung.

1923/1924  schuf Leistner mit dem marmornen  Grabmal der Familie Robert Stamm auf dem Friedhof Hamburg – Ohlsdorf eine erneute Bearbeitung dieses Themas.

Albrecht Leistner wurde am 06.November 1887 als Sohn eines Fabrikanten geboren – er starb am 24. Oktober 1950 in Leipzig und ist auf dem Südfriedhof bestattet.

Grabmal Generaldirektor Albert Böhme

Albert Böhme hatte sich schon im Jahre 1917 mit dem Erwerb der Wahlstelle No.115 in der durchaus honorigen VI. Abteilung des Südfriedhofes 60 qm als ewige Ruhestätte gesichert.
Im Jahre 1932 aber orientiert er um – er plant den Bau einer besonders prächtigen mehrgeschossigen Gruftanlage und die Errichtung einer künstlerisch bedeutsamen Grabmalplastik durch den Leipziger Bildhauer Albrecht Leistner.
Er tauscht seine Wahlstelle gegen eine noch größere Stelle mit 72 qm in der XIV. Abteilung unmittelbar am Vorplatz der Ostkapelle und steigert so die öffentliche Präsenz.
Die Wände, Decken und  Fußböden sind außerordentlich prächtig mit geaschliffenen römischen Travertin verkleidet und die Gruftabdeckung ist aus Heidenheimer Marmor gefertigt.
Als künstlerischer Höhepunkt der Grablege entwirft Albrecht Leistner nun die gewaltige überlebensgroße Plastik in Laaser Marmor mit dem Thema der Auferstehung – hier wird schlichtweg Albert Böhme und seine Frau dargestellt, wie sie einst dem Grabe entschweben und wieder auferstehen mit neuer Jugend und frei von allen Gebrechen. Die Nacktheit entspringt dem religiösen Gut (nackt wirst Du geboren!) – auf dem der Genehmigungsbehörde 1932 präsentierten Modell sind die beiden Figuren aber wesentlich umfassender verhüllt als wie es bei der Ausführung dann umgesetzt wurde.
Der Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler nannte es ein „ scheußliches Denkmal“
und hatte seinerzeit aus verschiedenen Gründen enorme Anstrengungen unternommen, um das Kunstwerk von diesem Platz zu entfernen. Nachdem alle Bemühungen Goerdelers gescheitert waren, ordnete er die Umpflanzung der Grabstätte an und wollte so künftig jede Sicht auf das Grabmal verhindern.

Die Figurengruppe ist von Albrecht Leistner aus einem einzigen Marmorblock gehauen, den zuvor Leistner in Südtirol auswählte. Mit der Bahn gelangte der Block dann nach Leipzig-Stötteritz und wurde auf dem Bahnhof dann umgeladen und in Leistners Atelier verbracht.
Die Plastik entsteht, als Leistner auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt war – ein jahrelanges Gichtleiden gestattete in den Jahren nach 1934 kaum noch eigenständiges Arbeiten. Der große Bildhauer Albrecht Leistner war mit der Schöpfung dieser Plastik 1933 im Zenit und zugleich dem Abgrund schon sehr nahe – 1945 wiegt der Bildhauer bei einer Körpergröße von 180 cm nur noch 54 Kg.

Grabmal Najork

 

Architekt Hugo Licht

Bildhauer Christian Behrens

ältestes Zeugnis des Leipziger Jugendstils