26.06.2017

Der Kaufmann Ernst Langhoff (1868–1931)

In einer der zahlreichen Anzeigen, die am 05. August 1931 in den Leipziger Zeitungen den Tod des Kaufmanns Ernst Langhoff verkündeten, wird auf eine lange und schwere Leidenszeit des Verstorbenen verwiesen. Und offenbar ließ der Tod sich wirklich Zeit mit der Erfüllung seiner traurigen Mission, dennnachdem Johanna Langhoff am 05. April 1931 in der XVIII. Abteilung des Südfriedhofes für 3600 Reichsmark ein hundertjähriges Nutzungsrecht an der Wahlstelle No.310  erworben hatte, vergingen noch einige Monate, bis der Leidensweg ihres Gatten endlich am 03. August 1931 endete.

Der Königlich Sächsische Kommerzienrat Paul Knaur, dessen im Jahre 1880 gegründete Leipziger Tuchhandlung zum größten deutschen „Spezialgeschäft in Tuchen und Buckskins“ aufgestiegen war, erinnerte in seiner Anzeige an eine 37-jährige Teilhaberschaft des verstorbenen Ernst Langhoff als geschätzten Mitinhaber der Firma.

Also war Ernst Langhoff einst nach solider kaufmännischer Ausbildung im Alter von erst 26 Jahren als Mitinhaber in das Tuchhaus des Paul Knaur eingetreten und hatte ganz sicher große Verdienste um den bemerkenswerten Erfolg der Firma.

Mit dem Begräbnis wurde das renommierte, am Leipziger Matthäikirchhof ansässige Beerdigungsinstitut Ritter beauftragt. Am 07.August 1931, einem Freitag, begann um 11 Uhr in der prächtigen Hauptkapelle des Südfriedhofes die Trauerfeier für den Verstorbenen, begleitet von den Klängen der imposanten Jehmlich-Orgel. Anschließend wurde der schwere Eichensarg, der den in einem Zinksarg ruhenden Toten umschloss, zur gewählten letzten Ruhestätte getragen und eingesenkt in das Grab.

Ein reichliches Jahr später, im Oktober 1932, beantragte der Leipziger Bildhauer Paul Stuckenbruck die Aufstellung einer überlebensgroßen Skulptur aus römischem Travertin, einen Merkur darstellend. Das Gewicht seines Werkes samt Sockel gab Stuckenbruck mit 80 Zentner an.

4.000 Reichsmark erhielt Paul Stuckenbruck nach eigener Aussage für diese eindrucksvolle Arbeit.*

Die Wahl der Darstellung eines Merkurs über diesem Grabe ist eindeutig ein Verweis auf die Profession des Kaufmanns Ernst Langhoff. Dem römischen Gott Merkur hat man in der Mythologie ja sehr zahlreiche Patronate zugewiesen, wobei sich uns hier konkret der Gott der Kaufleute und des Handels, der wohl auch dem hier im Grabe Ruhenden zeitlebens segensreich zur Seite gestanden hatte, zeigt.

Allerdings verweist nur das Attribut des geflügelten Helmes auf Merkur, während der signifikante Caduceus, der Merkurstab, fehlt. Der Künstler Paul Stuckenbruck stellt hier den Merkur auch als einen Trauernden dar, gehüllt in einen Umhang, die Füße mit Schuhwerk versehen. Sicher will Stuckenbruck daran erinnern, dass Merkur kulturgeschichtlich auch der griechische Hermes sein kann, der als Bote des Zeus die Seelen der Toten in den Hades begleitet, zum Gott der Unterwelt.

So findet sich hier der Merkur in einer Doppelfunktion zum Verstorbenen – er war ihm der treue Lebensbegleiter und ist auch im Tode sein beschützender Geleitbote auf seiner letzten Reise in das ewige Reich.


* Paul Stuckenbruck war quasi der auserwählte Bildhauer von Paul Knaur, denn bereits 1930 fertigte Stuckenbruck zum 50- jährigen Jubiläum des Tuchhauses Paul Knaur diese Medaille. So ist also die Beauftragung Stuckenbrucks zur Schaffung der Merkur-Skulptur für die Grabstätte des Teilhabers Ernst Langhoff verständlich.

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No. 06  Seite 32 ff.