29.04.2017

Das Grabmal des Kaufmanns Moritz Lorenz (1860–1922)

Adolph Moritz Lorenz war der jüngere Bruder des Albin Lorenz, dessen Grabmal wir im vorangegangenen Text behandelt haben.
Während die beiden Brüder durch die von ihrem Vater ererbten Unternehmungen geschäftlich sehr eng verbandelt waren, wohnten sie allerdings mit ihren Familien räumlich getrennt. Albin Lorenz besaß das Haus Salomonstraße 27, Moritz Lorenz gehörte das Haus in der damaligen Kaiser-Wilhelm-Straße 38, wo er mit seiner Frau Mathilde geb. von Spiegel, die einem alten westfälischen Adelsgeschlecht entstammte, und den zahlreichen Kindern lebte.
Aber das Leben des Moritz Lorenz war kurz und endete im Alter von erst 62 Jahren am 31. Mai 1922. Bereits am nachfolgenden Tage erwarb die Witwe Mathilde Lorenz ein hundertjähriges Nutzungsrecht an der Wahlstelle No.219 in der XVII. Abteilung des Südfriedhofes, wofür sie 6500 Reichsmark zahlte.

Für die Anfertigung des Grabmales wählte die Witwe den Bildhauer Alfred Fränzel, von dessen Hand ja bereits das Grabmal für die Familie ihres Schwagers Albin Lorenz stammte. Noch im Juni 1922 beantragte Alfred Fränzel ein Grabmal aus fein scharriertem Kalkstein mit einem Gewicht von 90 Zentner.
Aber die in das Genehmigungsverfahren involvierte Baupolizei war für Fränzels Entwurf nicht zu begeistern und unterbreitete stattdessen zwei gestalterische Gegenvorschläge, die allerdings hinsichtlich ihrer ästhetischen Wirkung kaum hilfreich waren. Fränzel beugte sich der Besserwisserei der Behörde* und berücksichtigte bei der Herstellung des Grabmales deren Empfehlungen, die sich eindeutig negativ auswirkten.

Statt des avisierten Kalksteins verwendete Fränzel schließlich den beständigeren Granit.
Wir können davon ausgehen, dass zum Totensonntag 1922 alle Arbeiten am Grabmal vollendet waren. Die schöne Figur – in stark idealisierter Form – sollte wohl die am Grabe ihres geliebten Gatten trauernde Witwe Mathilde darstellen. Auch hier handelt es sich zweifellos um eine Katalogware aus den galvanotechnischen Werken der Württembergischen Metallwarenfabrik, die wir noch heute recht zahlreich auf europäischen Friedhöfen finden. Die Witwe Mathilde Lorenz geb. von Spiegel starb bereits vier Jahre später, im Oktober 1926 – wie das ihres im Tode vorangegangenen Mannes, so währte auch ihr Leben nur 62 Jahre.

Zwei ihrer fünf Söhne und ihre einzige Tochter, die allesamt ein biblisches Alter erreichten, fanden hier bei ihren Eltern ihre letzte Ruhestätte.  

*Die negative Einflussnahme der verschiedenen Genehmigungsbehörden auf die mitunter künstlerisch sehr qualitätsvollen Entwürfe der Bildhauer war oftmals nahezu schikanös und ohne ausreichenden Sachverstand.  

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul  „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.06  Seite 117